Der Begriff Sudetendeutsche setzte sich erst nach dem 1. Weltkrieg durch. Vorher sah sich die deutschsprachige Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Republik Tschechien als Böhmen (westliche Landeshälfte), Mährer (östliche Landeshälfte) oder Österreichisch-Schlesier (nordöstliche Grenzregion) an.

Man stand unter der deutschsprachigen Herrschaft Habsburgs. Mit Gründung der Tschechoslowakei büßte die deutschsprachige Bevölkerung an Einfluss ein. In der Folge entwickelte sich eine gemeinsame Identität der Sprachgemeinschaft. Namensgebend waren die Sudeten, ein Grenzgebirge zwischen Tschechien und Polen. Für einen schnellen Geschichtsüberblick sei hier auf folgendes Video von MrWissen2go verwiesen.

Nach dem II. Weltkrieg bildeten alle deutschsprachigen  Vertriebenen aus Ost-Europa (nicht nur aus dem Sudetenland) den Bund derVertriebenen (BdV) und übernahm die Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950. Aus heutiger Sicht ist der „Verzicht auf Rache und Vergeltung für die Vertreibung“ ihre zukunftsweisende Aussage.

Als eigene Landsmannschaft organisierten die Sudetendeutschen ihre Mitglieder anhand ihrer Herkunft. So entstand eine Einteilung nach 14 Heimatlandschaften

  • Adlergebirge
  • Altvaterland
  • Sudetenschlesien
  • Beskidenland
  • Böhmerwald
  • Egerland
  • Elbetal
  • Erzgebirge-Saazerland
  • Kuhländchen
  • Mittelgebirge
  • Polzen-Neiße-Niederland
  • Riesengebirge
  • Schönhengstgau
  • Südmähren
  • Sprachinseln in Innerböhmen und Innermähren. 

Für eine Beschreibung aller 14 Heimatlandschaften klicken Sie hier: „Sudetenland im Überblick“ (Die diesem Überblick voran- und nachgestellte politische Einschätzung soll mit diesem Link nicht bewertet werden).

Die Heimatlandschaft Altvater hat ihren Namen vom dortigen Mittelgebirge Altvater bzw. dessen höchsten Berg, dem Altvater (1491 m). Der auf diesem Berge früher stehende Altvaterturm steht heute symbolhaft für die Heimatlandschaft. Die Region war auf Verwaltungsebene zuletzt in 8 Kreisen eingeteilt, so gibt bzw. gab es Heimatkreis-Vereine.
 
  • Bärn (Moravský Beroun)
  • Freiwaldau (Jeseník)
  • Freudenthal (Bruntál)
  • Jägerndorf (Krnov)
  • Mährisch Schönberg (Šumperk)
  • Römerstadt (Rýmařov)
  • Sternberg (Šternberk)
  • Troppau (Opava)
(Der Heimatkreis-Verein Sternberg hat sich 2015 aufgelöst.)

Nicht unerwähnt dürfen auch die wenigen Heimatverbliebenen und ihre Familien bleiben. Sie haben sich in unserer Region u.a. als „Der Verband der Deutschen Nordmähren – Adlergebirge (VdD)“ organisiert.

Die Heimatlandschaft Altvater befindet sich zur Hälfte auf mährischem und zur Hälfte auf schlesischem Gebiet. Man spricht auch von Österreichisch-Schlesien, um eine Unterscheidung zum Preußisch-Schlesien im heutigen Polen zu machen. Die nördlichen Kreise Freiwaldau, Freudenthal, Jägerndorf und Troppau sind demnach schlesisch. Die südlichen Kreise Bärn, Mährisch Schönberg, Römerstadt und Sternberg zählen zu Mähren.

Für die Region war im Mittelalter besonders der Bergbau und Goldwäscherei prägend. Davon zeugen auch Ortsnamen, wie Bergstadt oder Braunseifen im Kreis Römerstadt.
Später übernahm diese führende Rolle die Textilerzeugung. Jägerndorf wurde deshalb auch als schlesisches Manchester bezeichnet. Bis zur Verarbeitung von amerikanischer Baumwolle war daher auch Schafzucht mit einem Schwerpunkt im Kreis Jägerndorf weit verbreitet. Freiwaldau, Bennisch und Freudenthal entwickelten sich zu Zentren der Leinenerzeugung. In Kreis Mährisch Schönberg existiert bis heute eine lebendige Papierindustrie, z. B. mit der über vierhundertjährigen noch heute genutzten Papiermühle in Groß Ullersdorf. Ab 1844 entstand in Jägerndorf auch die Orgelbau-Firma Rieger, deren Instrumente heute weltweit in bedeutenden Kirchen erklingen: z.B. im Stefansdom zu Wien. 
Durch die großflächige Bewaldung bot außerdem die Forstwirtschaft vielen ihr Auskommen. Bemerkenswert sind auch die Mineralwasserquellen. Durch den stärksten Eisensäuerling Mitteleuropas konnte sich Bad Karlsbrunn im Kreis Freudenthal entwickelten. Der Film „Streifzug durch das Sudentenland von 1940 gibt davon einen Eindruck.

Ihre überwiegend römisch-katholische Ausrichtung erhielt die Altvaterregion durch die Herrschaft der Fürstbischöfe von Neisse, das Fürstenhaus Liechtenstein und den Deutschritterorden. Der Ritterorden findet sich im Übrigen symbolisch mit seinem Ordenskreuz neben dem kaiserlichen Reichsadler im Sudetendeutschen Wappen. Jedoch gab es auch eine protestantische und jüdische Minderheit. So steht noch heute in Jägerndorf die „größte Synagoge Nordmährens“.

Wie jede Heimatlandschaft zeichnet sich das Altvatergebiet durch eigene Trachten, Mundarten, Rezepte, Erzählungen  aus.

Als Ergänzung zu dieser Seite sei Edwin Budes inhaltlich ausgezeichnete Dokumentation „Unbekanntes Altvatergebirge“ von SudetenTV empfohlen.

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