Die Liebenden vom Burgberg


So erzählt man sich heute noch unter Gruseln die Geschichte von Gottfried Loserth und der schönen Tochter aus der Erbrichterei. Der Erbrichter Bayer hatte keinen Sohn, nur drei prachtvolle Töchter. Die älteste sollte die Richterei erben. Sie war verlobt. Die zweite liebte den schönen Gottfried und versprach ihm, treu zu bleiben, obwohl das Unglück es wollte, dass er zum Militär genommen wurde. Sie pilgerte mit ihm auf den Burgberg und dort über der Hostie schwuren sie sich Treue. Er ging in den französischen Krieg. Man hörte lange nichts von ihm. Es gingen Gerüchte, er sei gefallen. Unterdessen starb die älteste Schwester vor ihrer Verheiratung und Gottfrieds Verlobte wurde Erbin der Erbrichterei; durch ihre Hand aber wollte gar Mancher Erbrichter werden. In der Meinung, Gottfried sei tot, ließ sie sich endlich bewegen, einem braven Manne ihre Hand zu reichen. – Allein, kaum war sie 14 Tage verheiratet, so kam Gottfried im Dorf in der Uniform eines Offiziers mit Extrapost im Dorf heraufgefahren. Er erfuhr sein Unglück, ließ sogleich wieder umkehren und wurde von dieser Stunde an nicht mehr gesehen! Die Unglückliche aber verfiel in Wahnsinn, starb bald darauf und wandelt jetzt alljährlich von ihrem Grab im Totenhemd um die Mitternachtstunde hinauf auf den Burgberg.


(Einige Protagonisten können durch die Ortschronik von Lobenstein genau identifiziert werden: „Nun heiratet Fuchs die nächste Erbin, seine Schwägerin Rosalia Bayer am 1.2.1819; Rosalia wurde am 4.8.1802 geboren und stirbt am 20.5.1819 an Abzehrung, nachdem sie dem Fuchs am 9.5.1819 einen Sohn Anton geboren, der gleich nach der Geburt an Schwäche starb.“)